Der Duft zwischen Setúbal und Sagres liegt zwischen Honig und Eukalyptus.


Lack-Zistrose (Cistus ladanifer)

Die Lack-Zistrose wird auch Labdanum-Zistrose genannt, da sie das Harz Labdanum produziert. Unter der heißen Sonne der Westalgarve tritt ein öliges Harz aus den Blättern und Zweigen aus und es sieht aus, als würde die Pflanze schwitzen. Doch so schützt sie sich gegen die Sonnenstrahlen.

Rund um das Mittelmeer und an der portugiesischen Atlantikküste findet man Zistrosen. Die Pflanze bevorzugt karge, steinige und durchlässige Erde und sonnig-heiße Standorte. Ihr typischer Duft vermischt sich auf den Steilklippen mit der salzigen Brise des Meeres und dem Duft der Wacholderbüsche zu einem wunderbaren Aroma.

Das Labdanum.

Das Wort Labdanum stammt aus dem syrisch-phönizischen Sprachraum und bedeutet in etwa soviel wie "klebriges Kraut". Man nutzte es seit der Antike zur Schönheitspflege, als Räucher- oder Heilmittel.

Labdanum war sehr kostbar und wurde auf Zypern sogar der Liebesgöttin Aphrodite geweiht - ob dies nach dem Genuss eines GIN-SUL Tonics Vorteile an der Bar bringt, weiß jedoch nur der Allmächtige. Apropos – bereits in der Bibel findet das wohlig duftende Harz Erwähnung:

„Da sagte ihr Vater Israel zu ihnen: Wenn es schon sein muss, dann macht es so: Nehmt von den besten Erzeugnissen des Landes in eurem Gepäck mit und überbringt es dem Mann als Geschenk: etwas Mastix, etwas Honig, Tragakant und Ladanum, Pistazien und Mandeln.“ 
1. Buch Mose, Kapitel 43

 

Die Blätter wurden auf eine - aus heutiger Sicht etwas unorthodoxe - Art gesammelt. Der berühmteste Pharmakologe des Altertums, der griechische Arzt Dioskurides, beschrieb, wie Hirten Ziegen durch die dichten Büsche trieben und die im Fell der Tiere haftenden Harzklümpchen und Blätter danach auskämmten.

buch1.jpg

Der  Agrarbotaniker Otto Warburg beschrieb in seinem Buch "Die Pflanzenwelt", wie man das angenehm duftende Harz ...

"(…) aus den Bart- und Schenkelhaaren der Ziegen, die in den Zistrosengebüschen weideten und ihr Fell mit den Drüsensekreten beschmierten (…)” auskämmte. "
Otto Warburg, Die Pflanzenwelt, 2. Band, Bibliographisches Institut Leipzig, 1. Auflage, Leipzig und Wien, 1921, S. 465/467.